Welche Lebensmittel wählen kleine Kinder, wenn niemand ihnen vorschreibt, was sie essen sollen? - Teil 2️⃣
An der Langzeitstudie nahmen 15 Säuglinge teil, die zu Beginn zwischen sechs und elf Monate alt waren. Bei jeder Mahlzeit erhielten sie eine Auswahl aus einfachen Lebensmitteln. Die Pflegekräfte durften nichts empfehlen und kein Kind zum Essen überreden. Auch Tischmanieren spielten keine Rolle: Die Kinder durften mit den Fingern essen, und wenn etwas auf dem Lätzchen, dem Tisch oder dem Boden landete, wurden sie weder getadelt noch korrigiert. Erst wenn ein Kind auf eine Schale zeigte oder danach griff, durfte die Pflegekraft ihm einen Löffel davon geben. Öffnete das Kind den Mund, wurde es gefüttert.
Die gesamte Auswahl umfasste 34 Positionen - einschließlich der Getränke: Milch, Eier, Fisch und verschiedene Fleischsorten, aber auch Leber, Nieren, Hirn und Knochenmark. Hinzu kamen Obst, mehrere Getreidearten sowie zahlreiche Gemüsesorten, darunter Rote Bete, Karotten, Tomaten, Salat, Kartoffeln und verschiedene Kohlarten. Einige Lebensmittel wurden sowohl roh als auch gekocht angeboten (sogar Rindfleisch, Knochenmark und Eier), andere ausschließlich in einer der beiden Zubereitungsformen. Trinken konnten die Kinder Wasser, frische ungesäuerte Rohmilch, kultivierte Sauermilch und ungesüßten Orangensaft. Selbst Salz wurde separat bereitgestellt und konnte frei gewählt werden. Fertiggerichte, Süßigkeiten, gesüßte Getränke, Gewürze und ähnliches gab es nicht.
Die Mahlzeiten der Kinder wirkten mitunter abenteuerlich. Davis berichtet beispielsweise von einem Frühstück aus einem halben Liter Orangensaft (aus frischen Orangen) und Leber. Andere Kinder aßen zeitweise mehrere Eier oder Bananen hintereinander. Ihre Vorlieben änderten sich immer wieder, und kein Kind stellte sich denselben Speiseplan zusammen wie ein anderes.
Über längere Zeit betrachtet entwickelten sich die Kinder dennoch gut. Die anfangs unterernährten Kinder nahmen zu, und selbst diejenigen, die mit Rachitis in die Untersuchung gekommen waren, zeigten später gut mineralisierte Knochen. Kein Kind ernährte sich dauerhaft extrem einseitig.
Besonders interessant: Ihre Ernährung wurde weder von Gemüse noch von Getreide dominiert. Davis stellte ausdrücklich fest, dass keines der Kinder die damals übliche, vorwiegend aus Milch und Getreide bestehende Kleinkinderkost wählte. Viele Kinder bevorzugten zeitweise Obst, Milch, Eier, Fleisch und Innereien. Gemüse und Getreide wurden ebenfalls gegessen, bildeten aber nicht automatisch die Grundlage jeder Mahlzeit.
Dabei ist ein entscheidendes Detail zu beachten: Das angebotene Getreide hatte wenig mit vielen heutigen Kinderprodukten gemeinsam. Es handelte sich überwiegend um einfache Vollkorngetreide wie Hafer, Weizen, Mais und Gerste, die separat, häufig gekocht und ohne Zucker, Gewürze oder weitere Zutaten angeboten wurden. Die einzige etwas weiter verarbeitete Ausnahme war ein sehr schlichtes Knäckebrot, bestehend aus nur zwei Zutaten: vermahlenen ganzen Roggenkörnern und Wasser.
Es gab kein gezuckertes Frühstücksmüsli, keine Frühstücksflakes, keine Kekse, keine süßen Riegel und kein aus zahlreichen Zutaten hergestelltes Gebäck. Auch Brot und andere zusammengesetzte Speisen waren bewusst ausgeschlossen, damit jedes Lebensmittel für sich gewählt wurde.
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