Die Bezeichnung „Knoten der Gefallenen" ist die geläufigste Übersetzung für das Valknut. Der Begriff „Knoten des Todes“ wird aufgrund des starken Bezugs zu Bestattungsriten und Odin oft als synonyme Umschreibung verwendet. Die Bezeichnung „Wotansknoten“ bezieht sich direkt auf den Gott Odin (Wotan), da das Symbol oft in Darstellungen neben ihm oder seinen Begleitern erscheint. Da das Symbol auf Bildsteinen oft in Szenen vorkommt, die mit dem Tod oder Opferritualen zu tun haben, wird es als Zeichen für den Übergang ins Jenseits (Walhall) gedeutet. In der Snorra-Edda wird das Herz des Riesen Hrungnir als dreieckig und aus Stein beschrieben, weshalb manche Forscher vermuten, dass das Valknut dieses „steinerne Herz“ darstellen könnte. Der Name „Valknut“ selbst ist eher ein moderner norwegischer Begriff, der erst im 20. Jahrhundert (ca. 1943) durch den Archäologen Gutorm Gjessing geprägt wurde. Wie die Wikinger das Symbol tatsächlich nannten, ist historisch nicht überliefert.
Das Symbol wurde auf schwedischen Bildsteinen (z. B. Stora Hammars I und Tängelgårda) direkt neben Darstellungen von Odin oder Szenen gefunden, die als Einzug gefallener Krieger nach Walhall interpretiert werden. Es erscheint dort oft über Altären oder in der Nähe von Opferszenen. Odin ist der Herrscher über Walhall, der die tapfersten Krieger (Einherjer) nach ihrem Tod zu sich ruft. Da das Valknut fast ausschließlich in Grabkontexten gefunden wurde – etwa als Schnitzerei auf einem Bett im berühmten Oseberg-Schiff –, gilt es als sein Erkennungszeichen für den Übergang ins Jenseits. In der Forschung (u. a. von Hilda Ellis Davidson) wird vermutet, dass die verschlungene Darstellung Odins Fähigkeit symbolisiert, den Verstand von Menschen zu „binden“ oder zu „lösen“. Er konnte Krieger im Kampf vor Angst lähmen oder ihnen eine übernatürliche Ekstase verleihen.
Der Schildknoten
Während das Valknut ein spezifisch nordisches Symbol mit starkem Jenseitsbezug ist, ist der Schildknoten eine Art universelles Schutzzeichen, das über die germanische Kultur hinausgeht. Der Schildknoten (auch Vierecksknoten genannt) ist eines der ältesten Symbole der Menschheit. Er findet sich nicht nur bei den Germanen und Kelten, sondern auch im antiken Mesopotamien und in Zentralasien. In vielen heidnischen Kulturen diente er dazu, das Böse in alle vier Himmelsrichtungen abzuwehren. Er galt als magische Barriere, die sowohl physische Feinde als auch böse Geister oder Krankheiten fernhalten sollte. Die vier Quadranten symbolisieren oft die Himmelsrichtungen, die vier Elemente oder die vier Jahreszeiten. Wie viele Knoten hat er keinen sichtbaren Anfang und kein Ende, was für Ewigkeit und Unzerbrechlichkeit steht. Er wurde in Schilde und Rüstungen graviert, um den Träger im Kampf unbesiegbar zu machen. Man findet ihn als Schutzzeichen an Türschwellen oder auf Kinderkleidung, um das Haus und die Schwächsten vor Unheil zu bewahren.
Während also das Valknut eine direkte Verbindung zu Odin und dem Tod herstellt, ist der Schildknoten ein Symbol des Lebensschutzes und der Stabilität in der materiellen Welt. Er gilt primär als mächtiges Schutzsymbol. Seine geschlossene, endlose Form ohne Anfang und Ende symbolisiert eine unzerbrechliche Barriere gegen negative Energien, Krankheiten oder Feinde. Es gibt zahlreiche Ausführungen, von einfachen quadratischen Knoten bis hin zu komplexen, stilisierten Mustern, die oft an ein Rad oder eine Blüte erinnern.