Alexander der Große scheiterte. Er musste schließlich eine Fürstentochter heiraten (Roxane), um überhaupt so etwas wie politische Stabilität zu erreichen. Im 19. Jahrhundert versuchten es die Briten. Das endete in einer der größten Katastrophen der britischen Kolonialgeschichte. Beim Rückzug aus Kabul 1842 wurde eine ganze Armee ausgelöscht. Von rund 16.000 Menschen erreichte am Ende genau ein Überlebender die britischen Linien. So ist es jedenfalls überliefert.
Im 20. Jahrhundert probierte es die Sowjetunion. Zehn Jahre Krieg, zehntausende Tote, ein zerfallendes Imperium. Und im 21. Jahrhundert schließlich die USA und ihre NATO-Verbündeten inkl. Deutschland. Zwanzig Jahre Einsatz, Milliarden Kosten und am Ende regieren wieder die Taliban. Von den Toten habe ich noch gar nicht gesprochen.
Zwischenfazit: vier Imperien, vier Niederlagen. Der Hindukusch hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, geopolitische Hybris zu korrigieren.
Zurück zum Iran, der ist nämlich nicht weniger spannend. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser (dürfte vielen von euch bekannt sein), erinnert in diesem Zusammenhang gern an ein Ereignis, das im Westen erstaunlich selten erwähnt wird: den CIA-Putsch im Iran 1953.
Damals wurde der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt, nachdem er die iranische Ölindustrie verstaatlicht hatte. Operation Ajax, hieß das bei der "Firma".
Die CIA organisierte Proteste, Bestechungen und politische Intrigen, bis Mossadegh gestürzt war (war da nicht auch was in der Ukraine??? upsss... sprechen wir lieber nicht drüber - ist nicht offiziell genug). Jedenfalls wurde im Iran der Schah wieder eingesetzt, ein autoritäres Regime, gestützt von der berüchtigten Geheimpolizei SAVAK. Ganser formuliert es trocken:
"Wer die Geschichte des Iran verstehen will, muss bei 1953 anfangen." Stimmt. Aber eigentlich beginnt die Geschichte viel früher.
Der Iran ist nämlich nicht einfach irgendein Staat im Nahen Osten. Der ist das historische Zentrum einer der ältesten Hochkulturen der Menschheit. Das sage ich auch für alle, die in Geschichte nicht so gut aufgepasst haben und meinen sie könnten auf andere Länder, sagen wir mal... herabschauen...
Das Persische Reich existierte bereits 600 Jahre vor Christus Geburt. Zu seiner Blüte reichte dieses Reich von Ägypten bis zum Indus, das größte Imperium seiner Zeit. Die Perser bauten damals etwas, das wir heute selbstverständlich finden: ein Straßen- und Kommunikationsnetz über drei Kontinente und sogar eine Art erstes staatliches Postsystem, um Verwaltung und Handel im riesigen Reich zu organisieren. Auch kulturell und wissenschaftlich war diese Region ein Motor der Weltgeschichte und darauf sind die Iraner zurecht stolz. Viele Iraner bezeichnen sich auch als Perser. Und da darf man gerne mal "Bescheid" wissen: persische Gelehrte prägten Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie über Jahrhunderte hinweg. Figuren wie Ibn Sina (Avicenna) gelten bis heute als Pioniere der Medizin und Philosophie, während andere persische Wissenschaftler wichtige Grundlagen für Algebra, Astronomie und Naturwissenschaften legten. Zur Erinnerung: unsere Zahlen sind arabisch ;-)
Als wir in Europa noch Stämme durch Wälder zogen, existierten in Persien bereits Städte, Verwaltungssysteme, Wissenschaft, Medizin und eine hochentwickelte Kultur.
Besonders interessant wird es, wenn man den moralischen Maßstab betrachtet, mit dem Kriege heute bewertet werden. Wenn Russland einen Angriff mit "Selbstverteidigung" begründet (wegen der russischstämmigen Bevölkerung im Osten der Ukraine), ist die Sache völlig klar: Völkerrechtsbruch, Sanktionen, Waffenlieferungen, moralische Empörung rund um die Uhr.
Wenn die USA oder Israel von Selbstverteidigung sprechen, hört man erstaunlich "verständnisvolle Töne" um es sehr höflich zu beschreiben. Offenbar gibt es im Völkerrecht inzwischen zwei Versionen? Eine für den Westen und eine für alle anderen.