Zum Krieg gegen den Iran gibt es derzeit eigentlich nichts wirklich zu sagen. Unvermindert finden wechselseitige Angriffe beider Seiten gegeneinander statt, Dinge explodieren, Menschen sterben oder werden verletzt. Politiker machen Statements, von denen man nicht weiß, wie viel Wahrheit in ihnen steckt. Es ist eine merkwürdige Monotonie, in der nichts wirklich auf eine Entwicklung hindeutet. Am interessantesten ist wohl die Sperrung der Straße von Hormus und deren Folgen für die ganze Welt.
Es ist möglich, dass dieser Krieg so lange weitergeht, bis aufgrund der Turbulenzen die globale Ökonomie zusammenbricht. Denn die globale Ökonomie ist das Herrschaftsmodell des US-Imperiums. Sie läuft fast vollständig auf der Basis des US-Dollars, der wiederum das zentrale Machtmittel des Imperiums darstellt. Die internationalen Abhängigkeiten sind daher auch die Achillesverse des Imperiums. Bricht die globale Ökonomie zusammen, fällt der US-Dollar und mit ihm das Imperium. Das ist die Strategie des Iran, das Imperium zu schlagen. Militärisch ist der Iran ihm zwar unterlegen, aber durch asymmetrische Kriegsführung kann er die USA über die Ökonomie besiegen, und die Hegemonie des US-Dollars brechen.
Nicht umsonst hat der Iran bereits erklärt, dass alle Lieferungen, die in Yuan gehandelt werden, die Straße von Hormus passieren dürfen. Die Blockade dient der Zerschlagung des US-Dollars und stärkt perspektivisch den Yuan und eventuell auch Russland. Denn Russland ist wahrscheinlich das einzige Land, das der kommenden, ökonomischen Katastrophe einigermaßen glimpflich entkommen dürfte. Wo andere Staaten auf massive Importe von Öl, Gas und Düngemitteln angewiesen sind, kann Russland sich selbst versorgen und sogar benachbarte und verbündete Staaten stützen - und profitiert dabei von den steigenden Öl- und Gaspreisen.
Der Rest der Welt wird massive Versorgungsengpässe erleben, inklusive der damit verbundenen, inneren Unruhen. Der Iran wird nicht aufhören, ehe dieses Ziel erreicht ist - was die Führung des Staates bereits lange vor dem Krieg ganz offen erklärt hat. Die USA haben sich in einen Krieg verstrickt, der nach der Logik der Eskalation und der militärischen Ressourcen irgendwann den Einsatz von Bodentruppen notwendig macht. Dieser Schritt jedoch wird für die USA sehr wahrscheinlich in einer Katastrophe enden. Der Iran ist nicht der Irak, ist nicht Syrien. Entsenden die USA Bodentruppen dann sind sie auf Jahre in diesen Krieg verwickelt - der schon jetzt unpopulärer ist, als der Vietnamkrieg. Heimatfront und Kriegsfront werden dadurch zum vollständigen Desaster. Innere Unruhen bis hin zum Bürgerkrieg sind möglich. Der Niedergang des Imperiums wird wahrscheinlicher.
Aus diesem Chaos, das auch Europa nicht verschonen wird, können dann neue Mächte aufsteigen. Der Iran wird eine dieser Mächte sein. Das heißt derzeit bleibt nichts, als auf den Einsatz von Bodentruppen zu warten. Ob darüber hinaus der Krieg eine nukleare Komponente annehmen wird, ist fraglich. Es scheint aber derzeit nicht sehr wahrscheinlich, da ein solcher Einsatz den Interessen Israels zuwiderlaufen dürfte.
Warten wir ab.
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, freier Journalist und Autor.
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