Was hat Yoga mit dem Leben zu tun?!
Heute im Yoga wurde uns noch einmal der achtgliedrige Yogaweg nach Patanjali aufgezeigt.
Ein Weg, den wir wunderbar auf unser gesamtes Leben übertragen können. Denn Yoga ist am Ende das Leben selbst und nicht nur eine Praxis, bei der wir unseren Körper bewegen und dehnen.
Erstaunlicherweise beginnt dieser Weg nicht mit einer bestimmten Körperhaltung, sondern mit unserer Haltung zum Leben.
1. Yama – Wie gehe ich mit anderen um?
Es geht um Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Respekt, Maßhalten und darum, nicht ständig besitzen und festhalten zu wollen.
Wie spreche ich mit anderen Menschen?
Wie verhalte ich mich, wenn mich niemand beobachtet?
Lebe ich das, was ich von anderen erwarte, auch selbst?
2. Niyama – Wie gehe ich mit mir selbst um?
Hier geht es um Klarheit, Zufriedenheit, Selbstdisziplin, Selbsterforschung und Vertrauen.
Wie spreche ich innerlich mit mir?
Wie behandle ich meinen Körper?
Kann ich anerkennen, was gerade ist, ohne mich damit abzufinden?
Und kann ich akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann?
Erst danach kommt der Körper.
3. Asana – Bewegung und Körperhaltung
Wir bewegen, dehnen und kräftigen den Körper. Aber nicht, damit er irgendeinem Ideal entspricht.
Wir bereiten ihn darauf vor, ruhig zu werden.
Denn ein Körper, der voller Anspannung, Schmerz und Unruhe ist, wird uns immer wieder von uns selbst wegziehen.
4. Pranayama – der Atem
Der Atem verbindet Körper und Geist.
Er zeigt uns unmittelbar, wie es uns wirklich geht. Und er gibt uns die Möglichkeit, Einfluss auf unseren inneren Zustand zu nehmen.
Wenn sich unser Atem verändert, verändert sich auch unser Erleben.
Doch auch das wurde mir heute noch einmal sehr bewusst: Der Atem ist ein kraftvolles Werkzeug, aber er ist nicht losgelöst vom restlichen Leben.
Wir können noch so bewusst atmen: Wenn wir ständig gegen unsere Werte leben, unsere Grenzen übergehen oder uns selbst innerlich bekämpfen, bleibt unser System in Unruhe.
5. Pratyahara – die Sinne zurückziehen
Nicht jedem Reiz folgen, auf jede Nachricht sofort reagieren, jeden Gedanken in der Endlosschleife weiterdenken.
Nicht jede Meinung zu unserer Wahrheit machen.
In einer Welt, die ununterbrochen an unserer Aufmerksamkeit zieht, ist das eine enorme Fähigkeit:
Ich entscheide, wem und was ich meine Aufmerksamkeit schenke!
6. Dharana – Konzentration
Den Geist auf eine Sache ausrichten.
Auf den Atem, eine Empfindung, auf den Menschen, der gerade vor mir sitzt.
Und wenn die Gedanken abschweifen, kehre ich zurück.
7. Dhyana – Meditation
Irgendwann muss die Aufmerksamkeit nicht mehr ständig zurückgeholt werden. Sie beginnt zu fließen.
Der Geist wird stiller, weil wir gelernt haben, nicht mehr jedem Gedanken hinterherzulaufen.
Wir müssen Meditation nicht erzwingen. Wir schaffen die Bedingungen, unter denen sie entstehen kann.
8. Samadhi – vollständige Versenkung und innere Freiheit
Samadhi wird häufig mit Erleuchtung übersetzt.
Für mich beschreibt es einen Zustand, in dem das ständige Bewerten, Festhalten, Kontrollieren und Dagegensein für einen Moment aufhört.
Einen Moment, in dem wir nicht mehr gegen das Leben kämpfen sondern mit ihm fliessen.
Yoga ist keine Übung für das Leben- Yoga ist das Leben.
In den nächsten acht Tagen werden wir gemeinsam tiefer in diese acht Bereiche einsteigen.
Zu jedem Thema gibt es Fragen und kleine Übungen, die uns helfen, bewusster hinzuschauen:
Wo stehe ich heute?
Was lebe ich bereits ganz selbstverständlich?
Und in welchem Bereich darf ich noch etwas aufmerksamer mit mir werden?
Einfach wahrzunehmen, was längst da ist.
Deshalb meine erste Frage an dich:
In welchem dieser acht Bereiche bist du bereits bewusst unterwegs?