Doris Wolf schreibt: "... In der Felsbildkunst der matriarchalen Urzeit gibt es keine Gewaltszenen
Es ist auffallend, dass die bisher fast ausschließlich männlichen Forscher immer und überall Gewalt und Krieg phantasieren, während normale Menschen eigentlich eher Freude am Leben, an Spielen, Gesang und Tanz haben.
Burchard Brentjes macht beispielsweise in seinem Buch ›Schamanismus als Urreligion‹ darauf aufmerksam, dass die Wisentmasken-Figur in der Höhle Trois Frères in Südfrankreich einen Bogen an den Mund hält aber keine Pfeile besitzt.
Die Darstellung erinnert damit an die sowohl in Sibirien wie in Amerika übliche schamanistische Methode zur Herbeirufung der Hilfsgeister mittels des Anschlagens der Bogensehne sowie an den Gebrauch des Bogens als Musikinstrument. (Volkert Haas ›Handbuch der Orientalistik: The Near and Middle East‹ 1997, S. 158)
Interessant ist auch die Sicht des Kunstbild Autors Carel J. Du Ry. Er sieht etwas völlig anderes, weit naheliegenderes als das was Männer üblicherweise in den Bildern sehen.
»Felsmalereien aus der Negev-Wüste mit einer Darstellung von Musikanten und Tänzern. Die linke Abbildung zeigt zwei Frauen (?), die Harfe spielen. Rechts tanzen mehrere Männer; eine sitzende Figur schlägt den Takt mit einem Tamburin.« (Carel J. Du Ry ›Völker des Alten Orient‹ in ›Enzyklopädie der Weltkunst‹ 1977, S. 282 f)
Immer wieder sehen wir Beispiele, dass Felsbilder falsch interpretiert werden. Da wird eine einsaitige Fidel, eine Art Bogenharfe, mit einem Pfeilbogen zum Abschiessen von Pfeilen verwechselt.
Zupf- oder Streichinstrumente, die zusammen mit Trommeln und Flöten zu Spiel und Tanz eingesetzt wurden, werden als Waffen interpretiert.
Oder das einsaitige Streichinstrument wird nicht als solches erkannt, das in Ägypten rababa genannt, von den ›Musikern vom Nil‹ noch immer gespielt, wenn sie am Eingang der großen Hotels die Gäste bei ihrer Ankunft begrüßen.
»Kuhhörner, Keramiktrommeln, Knochenflöten, Mundbögen und Schwirrhölzer sind nur einige der Instrumente, mit denen vor 7000 Jahren musiziert wurde.« (›Klänge der Steinzeit‹ Film von Petrus van der Let und Martin Luksanauf )
»Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass es den Menschen angeboren ist, untereinander Krieg zu führen. Kriegerische Auseinandersetzungen und der Bau von Befestigungen haben in der Tat zum Leben unserer Vorfahren von der Bronzezeit bis heute gehört.
Nicht aber davor, im Paläolithikum und Neolithikum. In den Höhlenmalereien der Altsteinzeit gibt es keine Darstellung von gegen Mitmenschen gerichteten Waffen, und es gibt auch keine Überreste von Waffen, die der Mensch der Jungsteinzeit benutzt hätte, um gegen andere Menschen zu kämpfen.
Unter rund 150 Bildern, die in Çatal Hüyük erhalten sind, stellt nicht eines einen Kampf oder Krieg oder Folter dar.« (Marija Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, VIII)
»Ein scharfer Kontrast zur Kunst späterer Epochen liegt darin, dass in der Kunst des Neolithikums idealisierende Darstellungen bewaffneter Macht, von Grausamkeiten und Gewaltherrschaft fehlen.
Es gibt keinerlei Darstellungen von ›edlen Kriegern‹ oder Schlachtenszenen, keinerlei ›heldenhafte Eroberer‹, die ihre Gefangenen in Ketten legen, noch irgendwelche anderen Beweise von Sklaverei…
Noch mehr, der Kunst jener Zeit fehlt in verblüffender Weise jede bildliche oder figürliche Darstellung von Herrschern und Beherrschten, von Herren und Untertanen, wie sie für dominatorisch orientierte Gesellschaften so charakteristisch sind.«
(Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft – Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte‹ 1989, S. 56, 57) "
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