Allgemeinwissen oder: Wann ist man ein Fachidiot? Gestern ein Thema bei dem Familienessen....
Ich behaupte mal, ich hatte schon immer ein ziemlich gutes Allgemeinwissen das was uns halt das System gegeben hat. Vielleicht auch deshalb, weil ich schon als Kind alles gelesen habe, was nicht schnell genug vor mir weglaufen konnte. Andere lasen Liebesromane – ich las Lexika wie andere Menschen Krimis. Kein Buch war sicher vor mir. Ob Geschichte, Tierwelt, alte Kulturen, Sterne, Krankheiten, Mythen oder irgendwelche seltsamen Fakten über Tiefseefische – ich inhalierte alles wie frische Luft.
Und ja, ich setzte mich sogar selbst unter Druck, möglichst alles wissen zu müssen. Quizshows? Perfekt. Wissensspiele? Für mich erfunden. Ich war wahrscheinlich die Einzige, die beim Fernsehen nicht wegen der Spannung schwitzte, sondern weil sie die Antwort drei Sekunden zu spät wusste.
Doch mit den Jahren fiel mir etwas auf: Wissen verteilt sich merkwürdig auf dieser Welt. Manche Menschen wissen von allem ein bisschen und können über Gott, die Welt, alte Römer, Katzenrassen und die Entstehung von Vulkanen reden. Und dann gibt es jene, die auf einem einzigen Gebiet absolute Spitzenklasse sind – hochintelligent, brillant, manchmal fast genial –, aber wehe, man fragt sie, wie man Kartoffeln kocht oder wo Australien liegt. Dann wird es plötzlich still im Raum.
Und genau da kommt dieser eigenwillige Begriff ins Spiel: „Fachidiot“. Eigentlich ein ziemlich gemeines Wort. Denn nur weil jemand in einem Bereich so tief eingetaucht ist, dass für anderes kaum Platz blieb, ist er ja nicht dumm. Im Gegenteil. Viele dieser Menschen treiben Wissenschaft, Technik oder Medizin voran. Allerdings wirkt es manchmal schon leicht komisch, wenn jemand Quantenphysik erklären kann, aber verzweifelt vor einem Drucker steht, der „Papierstau“ meldet.
Andererseits sind Menschen mit großem Allgemeinwissen oft wandelnde Überraschungspakete. Sie können überall mitreden, verknüpfen Themen miteinander und verlieren sich stundenlang in Gesprächen über völlig absurde Dinge. Dafür fehlt manchmal die extreme Tiefe eines Spezialisten. Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen einem riesigen Buffet und einem Sternekoch: Der eine kennt von allem etwas, der andere perfektioniert ein einziges Gericht bis zur absoluten Meisterschaft.
Die Wahrheit ist vermutlich: Die Mischung macht es. Allgemeinwissen hält den Geist beweglich, neugierig und offen. Spezialwissen bringt Tiefe, Fortschritt und Können. Problematisch wird es erst, wenn Menschen glauben, nur ihr eigenes Gebiet sei wichtig und alles andere bedeutungslos. Dann entsteht nicht Intelligenz, sondern Arroganz mit Diplom.
Und ganz ehrlich – ein wenig „unnützes Wissen“ macht das Leben doch erst interessant. Wer sonst könnte mitten beim Essen erzählen, dass Oktopusse drei Herzen haben oder dass die alten Ägypter schon Zahnprothesen kannten? Maniok ungekocht Blausäure enthält. Eben.
Vielleicht ist Neugier sowieso die eigentliche Intelligenz. Nicht alles zu wissen – sondern nie aufzuhören, wissen zu wollen.
Diana
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