Als Remer kam,
hatte der Graf
von Stauffenberg —
Arm und Herz
der Verschwörung -
schon unter
den Kugeln der Rache
und im Lichte von
Autoscheinwerfern
den Tod gefunden.
Mit ihm eine Handvoll
der Seinen.
Im Fallen noch
soll er
gerufen haben:
”Es lebe mein
heiliges Deutschland.“
Die zuvor
schon
dem Verrat
die Gefolgschaft
verweigert,
die Generäle
Kortzfleisch,
Kurze,
Specht und
Oberst Gläserer,
waren befreit;
und an Hunderte
hohe Türen
traten nun
wuchtige Stiefel,
und über
drohenden Mündungen
herrschten donnernde Stimmen
um Antwort:
"Für
oder gegen
Hitler?“
Und es rasten
Rache und Verderben
fort durch das
weite Gebäude:
Die Nacht
der ”Walküre“.
Und in den
Stunden darauf
wurde das Netz
zerrissen,
und das längst schon
gefällte Urteil
von einem kleinen,
kreischenden Richter -
klein und kreischend
wie die Werkzeuge
aller Regime
und aller Zeiten -
noch einmal
nachvollzogen.
Und sie starben.
Einige durch
eigene Hand.
Wenige
durch die
Kugel.
Die meisten
von ihnen wurden
am Pfahle
erhängt.
Wäre
unter ihnen nur
einer gewesen,
der aus Liebe
zum Vaterland
gehandelt hätte,
sie hätten
einen bessern Tod:
verdient.
Und mir scheint -
verdammt mich nicht -
es waren deren
viele.
Und das Helle
des von Xanten
und das Düstre
des von Tronje
waren auferstanden
in dieser Nacht
in den Gestalten
vom 20, Juli,
in den Taten,
den Gesichtern
und den Stimmen
und im Tönen
der eisernen
Waffen,
waren herausgetreten
aus grauer Vorzeit —
des Reiches
drohenden Fall und
Untergang
anzukünden.
Lassen wir
die Handvoll
Lumpen beiseite
und gestehen wir
den Verschwörern zu,
daß dies ihr
größtes Verbrechen war:
zu scheitern!
Sie hatten
ihr Leben gewagt.
Alle.
Und es verspielt.
Und hätten sie
keinen andern
Auftrag gehabt
vor der Geschichte
als jenes Dunkel
zu sein,
von dem alles Licht
den Nachweis
seiner Helligkeit
schöpft,
sie hätten sich
darob schon verdient,
als Deutsche
hinübergehen
zu dürfen.
Unvergeßlich bleibt
der unglückliche
Fromm,
dessen Verbrechen
es war,
im entscheidenden Augenblick
nicht stark
gewesen zu sein.
Bevor ihn
die Kugeln des
Exekutionskommandos
trafen,
bekannte er sich
mit dem letzten
Atemzug
zu Deutschland
und dem Führer.
Und ich frage mich,
wozu es wohl
größerer Kraft bedarf,
als im Sterben noch
die zu lieben,
die einem den
Tod geben?
Ja, es hatte
seine wilde Nacht
gehabt,
seine ausschweifende,
wilde Nacht,
das goldhaarige,
mächtige Weib,
und erst nach
und nach, als es
schon sattgefressen
und träge ward,
trollte sich
die "Walküre“,
um in ihren
Dornröschenschlaf
zurückzusinken,
aus dem sie
von ihren Opfern selbst
in trügerischer Hoffnung
gescheucht worden ward.
Der Puls des Kriegs,
für einen Augenblick
erstartt,
begann allmählich wieder
zu Schlagen und zu
pochen, und durch
tausend feine Kanäle
hub der Nachschub an,
aus mächtigen,
unterirdischen Magazinen
und Fabriken
hinauszusickern,
sich millionenfach
verästelnd,
bis hin in die
Schützengräben,
in die Menageschalen und
Gewehrläufe unserer
Väter, die
in unendlicher, weiter
Einsamkeit,
hingeduckt unter den
heiligen Heimen,
ausharrten und hofften
an ferner, wankender
Front.
Das Gute, das
die Verschwörer gewollt,
bleibt unbewiesen.
Greifbar bleibt
für die Zukunft
von allihrem Tun nur
der Verrat!
Und wenn es irgendwann
eine Auferstehung gibt
für Deutschland,
dann wird es einer Kraft
bedurft haben,
aus der
die Wiedergeburt ihre
Wurzeln nährte.
Eine solche Kraft aber
wird nicht aus der
Erinnerung an die
Finsternis des Eidbruchs,
sondern nur
aus dem Licht
der Liebe und
der Treue
geschöpft werden
können.
Remer,
den jungen, kühnen,
lachenden
deutschen Offizier,
geadelt durch
achtundzwanzig Nahkampftage
an brennender Front,
mit dem strahlenden
Ritterkreuz
an seinem Hals,
müssen wir vorerst
in der Dämmerung der Geschichte
hinter uns zurücklassen!
Doch glaube ich an ein Wiederseben:
Denn am Tage der Auferstehung
des Reiches
wird uns sein Bildnis
ewig jung
und strahlend
entgegentreten.
Den Jungen, die
nachkommen,
hab’ ich dies
aufgeschrieben:
Vergeßt es nie:
Einer stand für alle,
für Millionen Frontsoldaten,
an diesem 20. Juli 1944
auf seinem Posten.
Unerschütterlich
und treu.