Ich erinnere mich in diesen Tagen immer wieder an den Gedanken von Adorno: Kann man nach Auschwitz noch Gedichte schreiben?
Ich frage mich heute: Was können wir tun, wie können wir sein, wenn Bomben fallen und unschuldige Menschen, oft Kinder, töten? Was hilft, durch all den Wahn hindurchzukommen, der ständig nach uns greift?
Ich erlebe, wie ich mich immer wieder mir selbst zuwende. Spüre, suche, entdecke, was mich hält und stärkt. Es ist oft eine leise Entscheidung: Ich erlaube meinem Herzen, offen zu bleiben – auch wenn es verletzlich macht. Auch, wenn ich mich am liebsten verschließen möchte, um nicht mehr fühlen zu müssen.
Und ich finde Trost in Gedanken anderer. Was in uns zu finden ist, bekommt eine Stimme. Ein Wort. Ein Gedicht. Ein geteiltes Gebet. Ein gesungenes Lied. All das sind kleine Lichter, die zeigen: Wir sind noch da. Es sind Samen, die ganze Wälder in sich tragen. Sie halten unsere Seelen in Bewegung, lassen sie aufatmen, weit werden. In diesem Ausdruck geschieht etwas Zartes, Verbindendes, ein gegenseitiges Halten. Im Schmerz. In der Ohnmacht. In der Angst. Und manchmal – leise, vorsichtig – ist da ein Lächeln, vielleicht sogar ein erleichterndes Lachen. Nicht, weil das Dunkle verdrängt wird. Sondern weil unsere Seelen wissen, dass das Leben größer ist als Krieg und Zerstörung.
Es ist die Entscheidung, nicht zu verrohen, sondern noch weicher zu werden. Liebevoll. Gütig. Zu uns selbst und zu anderen. Ein Akt innerer Freiheit. Und ja - wir können die Welt nicht sofort verändern. Bomben werden weiter fallen und töten. Aber wir können jeden Raum, den wir betreten, menschlicher, Liebe-voller, heller machen. Und das ist in diesen Zeiten so viel.
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