Während Maria, die Mutter Jesu, von den Katholiken oft idealisiert wird, erhält sie bei den Evangelikalen nicht immer viel Beachtung. Dabei ist sie ein herausragendes Beispiel für einen demütigen und gottesfürchtigen Lebenswandel.
1. Ihre Reaktion auf die Botschaft des Engels Gabriel zeigt eine höhere Qualität als die des Zacharias. Die Verheißung eines Sohnes erfüllte dessen Traum, doch sie kostete ihn nichts. Im Gegensatz dazu erfuhr Maria, dass sie durch Gottes Wirken einen Sohn zur Welt bringen würde. Dieses Geschenk könnte jedoch ihren Tod bedeuten, da sie unverheiratet war. Dennoch akzeptierte sie den Preis der Nachfolge und antwortete demütig: "Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast" (Lk. 1,38).
2. Auf Golgatha entschied sich Maria, bis zum Ende an der Seite ihres Sohnes zu bleiben und sein Leiden bis zu seinem Tod zu begleiten (Joh. 19,25). Sie stand nicht unter Arrest und konnte jederzeit gehen. Auch konnte sie den Lauf der Ereignisse, die sich vor ihr entfalteten, nicht aufhalten. Sie konnte nur bleiben und mit Jesus leiden. Wie sehr muss sie innerlich zerrissen gewesen sein, und doch war sie treu an seiner Seite.
3. Die letzten überlieferten Worte Marias finden wir bei der Hochzeit zu Kana (Joh. 2, 1-11). Dort wies sie Jesus darauf hin, dass der Wein aufgebraucht ist. Auf Jesu Antwort, dass seine Zeit noch nicht gekommen sei, sprach sie zu den Dienern: "Was er euch sagen mag, tut" (V. 5)! Zeigt sie damit nicht ein großes und nahezu blindes Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Sohnes?
Auch wenn Maria nicht diejenige ist, zu der sie in bestimmten Kreisen stilisiert wurde, ist sie mit ihrer Haltung, alles treu aus Gottes Hand zu nehmen, ein hervorragendes Vorbild für uns Christen.