Ostara - Tochter der Sonne und des Donners
Ich bin Ostara,
Tochter des goldenen Himmels.
Geboren aus der Umarmung der Sonne und des Donners,
mein Herz rot wie das Feuer, das Leben schenkt,
mein Blick hell wie das Licht, das Hoffnung bringt.
Einst tanzte ich unter den Sternen,
frei zwischen den Welten,
eine Flamme am Firmament.
Doch meine Liebe galt dem Morgenstern.
Er – der als Erster kam und als Letzter ging.
Wir trafen uns in der Dämmerung,
zwischen Nacht und Tag,
zwischen Sein und Werden,
doch unsere Liebe war den Göttern zu hell,
zu gefährlich.
Sie sandten mich zur Erde,
nicht aus Strafe, sondern aus Furcht.
Ich fiel wie ein Funke,
landete auf frischem Schnee
und taute ihn fortan von innen auf.
Ich irrte durch nebelverhangene Wälder,
berührte mit jedem Schritt das Leben selbst.
Ich war allein, aber nicht vergessen.
Die Menschen spürten mich,
in ihren Liedern,
in ihren Festen,
In ihren Herzen.
Sie nannten mich bei neuen Namen:
Ostara, Eostre, Aurora ...
Ich trug all diese Namen mit Liebe.
Ich wandelte mich,
mal Licht, mal Flamme,
mal junges Mädchen mit Kranz im Haar.
Ich sprach mit Schmetterlingen und Rehen,
und flüsterte Träume in den Schlaf der Kinder.
Manchmal traf ich Menschen.
Eine von ihnen hieß Ilse.
Sie kam jeden Frühling barfuß zum Hügel,
flüsterte mir Wünsche,
tanzte, als würde sie sich erinnern
und ich, ich schenkte ihr Mut,
verborgen im Duft der Veilchen.
Ich bin nicht mehr nur ein Stern am Himmel.
Ich bin Erinnerung,
Wärme,
Neubeginn.
Und doch…
Sehnsucht trage ich noch immer in mir.
Sehnsucht nach meinem Morgenstern.
Nach dem, was war
und dem, was vielleicht wieder sein kann,
wenn Licht und Dunkel sich versöhnen.
Jedes Jahr kehre ich zurück,
nicht als Göttin,
sondern als Zeichen.
Im Tropfen am Schneeglöckchen.
In den Kinderaugen, die das erste Osterei entdecken.
In der Sonne, die am Ostermorgen tanzt,
drei Sprünge, aus Freude, aus Sieg, aus Liebe.
Ich bin Ostara.
Die Wiederkehr.
Das neue Leben.
Der Kuss des Lichts auf der Stirn der Welt.
Diese Geschichte ist inspiriert von alten Überlieferungen und berührt durch die Tiefe der Mythologie, die bis heute in uns nachklingt. Ich habe die Geschichte aus der Sicht von Ostara erzählt – so wie sie es vielleicht selbst erzählen würde.
Möge sie euch berühren, erinnern und vielleicht ein kleines Stück Licht in euer Herz tragen. ©Sandra Frank
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