1/3 Mein Besuch bei Herrn Peter Wörner und Herrn Michael Fritsch in der JVA Weiterstadt am 21. Januar 2026
Aufgrund meiner vergangenen Besuche in verschiedenen Haftanstalten und meinen Berichten darüber werde ich immer wieder von Familienangehörigen und Freunden weiterer Inhaftierter mit der Bitte kontaktiert, auch diese zu besuchen.
So war es auch im Fall der beiden Herren Wörner und Fritsch, die zu den Angeklagten der Prinz-Reuß-Gruppe gehören und nun, wie alle anderen auch, seit Dezember 2022 in Untersuchungshaft sitzen.
Vorweg möchte ich gleich erwähnen, dass ich beide Personen vorher weder persönlich kannte noch irgendetwas über ihren Lebenslauf oder ihre Lebensumstände wusste. Deshalb haben wir uns in beiden Fällen erst einmal gegenseitig vorgestellt.
Beide haben gemeinsam, dass sie sich von Beginn der Corona-Zeit an gegen die Maßnahmen stellten und die Impfung verweigerten – übrigens genau wie ich.
Der Hauptgrund meines Besuches waren auch in diesem Fall die Haftbedingungen, weil mir die Angehörigen berichteten, dass sie den Inhaftierten teilweise große psychische Probleme bereiteten.
Die Haftanstalt selbst hat auf mich einen guten Eindruck hinterlassen, und die Beamten waren freundlich und entgegenkommend.
Von Herrn Wörner erfuhr ich, dass er acht Jahre lang als Bundeswehroffizier bei den Fallschirmjägern in Calw war, danach einen Abschluss als Industriekaufmann erwarb, als Mitarbeiter in einer Marketing-Agentur und anschließend als Verkaufsleiter in einem Verlag tätig war. Anschließend verdiente er als selbstständiger Handelsvertreter seinen Lebensunterhalt.
Seit 2009 unterrichtete er als Survival-Trainer interessierte Personen im „Überlebenskampf“ in Krisensituationen. Für mich hörte es sich an wie eine Art Abenteuerurlaub, an dessen gewonnenen Erfahrungen und praktischen Erkenntnissen man sich in besonderen Situationen erinnern und diese dann auch in einem Ernstfall sehr sinnvoll anwenden könnte. Für die vielen Berliner, die kürzlich ohne Strom in ihren kalten Wohnungen saßen, wäre sicher der eine oder andere Tipp sehr nützlich gewesen.
Herr Wörner machte auf mich, vermutlich aufgrund dieses Hintergrundes, einen physisch und psychisch stabilen Eindruck. Allerdings ist er inzwischen an Diabetes erkrankt. Er selbst führt es auf die mangelnde Bewegung und die schlechte Ernährung im Gefängnis zurück. Für jemanden wie ihn, der in der Vergangenheit so viel Zeit in der Natur und unter freiem Himmel verbracht hat, ist diese Umstellung natürlich eine gravierende.
In Weiterstadt hat er nun zweimal die Woche die Möglichkeit, an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, die er sehr gerne nutzt. Darüber hinaus treibt er auch in seiner Zelle Sport, um körperlich fit zu bleiben.
Leider erhält er nicht die spezielle Diät, die er als Diabetiker benötigt. Dies hat er mehrmals angemahnt, doch ohne Erfolg. Seit diesem Jahr kann er auch nur noch alle 14 Tage einkaufen, um seine Mangelernährung ausgleichen zu können; doch frische Waren halten sich natürlich nicht so lange.
Was mich am meisten geschockt hat, war sein Bericht darüber, dass er monatelang auf eine Zahnbehandlung warten musste, trotz akuter Beschwerden, und ihm nicht einmal Schmerzmittel verabreicht wurden. Das ist für mich als Zahnärztin ein untragbarer Zustand. Jeder, der selbst einmal Zahnschmerzen hatte, weiß, wie furchtbar das ist. Unsere Helferinnen hatten die klare Anweisung, dass jeder Schmerzpatient am gleichen Tag oder spätestens am nächsten behandelt wird. Wir haben niemals jemanden abgewiesen.
Insgesamt sagte er mir jedoch, dass er sich gut behandelt fühlt und aufgrund des eigenen Fernsehers und der vielen Bücher die 22 Stunden allein in der Zelle einigermaßen gut verkraftet
Was ich nun berichte, wurde von beiden gleichermaßen als extrem belastende, entwürdigende und damit demütigende Behandlung geschildert.
Seit Juli 2025 dürfen beide ihre Familienangehörigen ohne Trennscheibe sehen. Das bedeutet natürlich auch, dass es zu Umarmungen und Berührungen kommt, was das Selbstverständlichste auf der Welt ist.