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Der verwunschene Apfel
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Hoch oben
in den stillen Bergen,
wo der Nebel morgens
wie silberne Schleier
über den
Wiesen hing,
stand ein kleines,
altes Holzhaus.
Es war aus groben
Balken gebaut,
das Dach mit
Moos bedeckt,
und vor der Veranda
wuchs ein einzelner
Apfelbaum.
Niemand wusste genau,
wer das Haus einst
errichtet hatte,
doch die Dorfbewohner
unten im Tal nannten
es nur,
„Das Haus der roten Äpfel“.
Jeden Herbst,
wenn die Blätter
golden wurden,
trug der Baum
prächtige,
glänzende Früchte,
doch niemand wagte,
sie zu pflücken.
Man sagte,
der Apfelbaum sei
verzaubert.
Wer einen seiner Äpfel aß,
so hieß es,
würde nie wieder denselben
Weg zurück ins Dorf finden.
Eines Tages kam ein
junges Mädchen
namens Anna
in die Berge.
Sie war neugierig
und mutig,
und sie liebte Geschichten
über alte Magie.
Als sie das Haus fand,
sah sie die roten Äpfel
im Licht der
Abendsonne leuchten,
als wären sie aus
Glas gemacht.
Einer hing besonders tief,
fast so,
als wolle er
gepflückt werden.
Anna streckte die
Hand aus,
und in dem Moment,
als ihre Finger den
Apfel berührten,
hörte sie eine leise Stimme:
„Wer den Apfel nimmt,
weckt den Hüter des Hauses.“
Erschrocken blickte
sie sich um,
doch niemand war da.
Nur der Wind rauschte
durch die Zweige.
Trotzdem nahm sie
den Apfel
und legte ihn in
ihre Tasche.
Als sie sich umdrehte,
sah sie, das der Weg,
den sie gekommen war, verschwunden war.
Stattdessen führte nun
ein schmaler Pfad direkt
auf die Tür des Hauses zu.
Drinnen roch es
nach Holz,
Kräutern und
alten Büchern.
Auf dem Tisch lag ein
geöffnetes Tagebuch,
in dem stand:
„Nur wer den Mut hat,
den verwunschenen Apfel
zu teilen,
kann den Bann brechen.“
Verwirrt nahm Anna
den Apfel aus
ihrer Tasche.
Sie schnitt ihn entzwei,
und im Inneren leuchtete
ein kleines,
goldenes Licht.
Aus dem Licht formte
sich eine Gestalt:
Eine alte Frau mit
freundlichen Augen.
„Danke, Kind“, sagte sie.
„Ich war einst die Hüterin
dieses Hauses.
Doch meine Gier nach
ewigem Leben ließ mich in
diesen Baum bannen.
Du hast mich erlöst,
weil du nicht gegessen,
sondern geteilt hast.“
Mit diesen Worten
verschwand die Frau,
und das Licht glitt in
die Wände des Hauses.
Plötzlich begann es zu
leuchten und
wurde warm,
als ob Leben in die
alten Balken
zurückkehrte.
Als Anna den Berg
hinabstieg,
sah sie,
das der Apfelbaum
nun voller Blüten stand,
mitten im Herbst.
Und seit jenem Tag
erzählte man sich im Dorf,
das das Haus in den Bergen
kein Ort des Fluchs mehr sei, sondern ein Ort,
an dem Mut und Güte
belohnt würden.
Und wer genau hinsah,
konnte manchmal noch
eine goldene Spur
von Licht
im Fenster sehen,
wie das sanfte Lächeln
der alten Hüterin.
Ende
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