Nachruf auf Jochen Kirchhoff
von Marcus Zeller
Der Philosoph Jochen Kirchhoff starb am 26. Dezember 2025 „friedlich Zuhause“, wie ich auf seiner Webseite erfahre. Diese Nachricht hat mich sehr betroffen gemacht, denn Jochen Kirchhoff war in den vergangenen Jahren auf seinem YouTube-Kanal sehr aktiv. Er hatte sich besonders in der Corona-Zeit zusammen mit Gunnar Kaiser immer wieder kritisch zu den damit verbundenen Maßnahmen geäußert.
Ich hatte Gelegenheit, ihn im Rahmen der „Friedensgespräche“ an der Akademie der Denker zu interviewen – ein Gespräch, das mir persönlich viel bedeutete. Warum? Ich stieß 2016 „versehentlich“ auf ein Video bei YouTube auf ihn, wo er sich zum Thema der Reinkarnation äußerte. Ganz sachlich, ganz unspirituell erschloss er mir in kürzester Zeit eine Perspektive auf dieses Thema, die weniger Glaubenssache als vielmehr eine logische Notwendigkeit menschlichen Seins zu sein schien.
In seinen Büchern plädiert er für ein Menschenbild, was sich völlig umfassend in den Kosmos integriert. Für Kirchhoff ist dieser Kosmos weder Zufall noch pure, materialistische Naturgesetzlichkeit. Vielmehr ist er ein Bewusstseinsraum in welchem Erfahrung möglich wird. Auf der dieser Grundlage hinterfragte Kirchhoff nicht nur gründlich die Prämissen der aktuellen Naturwissenschaften, sondern dachte integral weiter. Leben ist in seinem Denken kein Produkt, sondern eine Eigenschaft des Kosmos. In seinen Lesungen und Publikationen verband er diese Vorstellung mit östlichen Traditionen und Denkansätzen abendländischer Philosophen und entwarf ein umfassenden Gegengewicht zum herrschenden, seiner Ansicht nach nihilistischen Weltverständnis. Damit schuf er nicht lediglich eine rein intellektuelle alternative Sichtweise, sondern eine tiefe, berührende und tröstliche Botschaft: Der Mensch ist mehr, denn er kommt nicht aus dem „Nichts“. Er ist die Verkörperung und Schnittpunkt eines größeren Sinnzusammenhangs, den er im aktiven Austausch mit der lebendigen Umwelt direkt erfahren kann, sofern er bereit und willens ist, seine Denkgewohnheiten zu verlassen. Gemäß dieser Vorstellung muss dem Sein eine verbindende Qualität zugrunde liegen, die sowohl Erkennen als auch Austausch ermöglicht; insofern ist beispielsweise der Raum nicht nur eine leere Maßeinheit als vielmehr selbst in erweitertem Sinne „lebendig“.
Jochen Kirchhoff reiht sich für mich damit in die Erbfolge großer Naturphilosophen wie Fichte oder Schelling ein, und an vielen Stellen übertrifft er sie, da es ihm wichtig war, die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaften möglichst widerspruchsfrei in ein „geistig-kosmisches Menschenbild“ zu integrieren, wie er es nannte. Insofern hob er für mich auf fühlbare Weise die menschliche Existenz auf ein neues Niveau. Er hinterlässt ein umfassendes Werk kritischer, innovativer und inspirierender Denkarbeit, das nicht nur zeitgemäß ist, sondern in unserer gespaltenen Welt als NOT-wendig gelten darf.
Danke Jochen Kirchhoff!