Wer der inneren Erfahrungswelt mehr Gewicht verleiht als dem äußeren Erleben, läuft Gefahr, die Realität irgendwann verzerrt wahrzunehmen, da subjektive Eindrücke und innere Deutungen überhandnehmen können und äußere Gegebenheiten dann nicht mehr angemessen berücksichtigt werden.
Diese Menschen agieren und reagieren nicht mehr adäquat, weil sie in virtuellen Vorstellungen von Realisierung leben, nicht in der Realität selbst.
Sie glauben, dass sie allein mit ihrer Gedankenkraft die Welt nach Belieben formen könnten. Das klingt erstmal niedlich und harmlos, kann sich aber grotesk auswirken, weil echtes Mitgefühl verlorengeht. Stattdessen wird Mitgefühl simuliert, um das Leid anderer zu erklären. Den "schwarzen Peter" gibt es frei Haus, um demjenigen, der sich ohnehin nicht gut fühlt, subtil zu vermitteln, dass er bisher alles "falsch" gemacht hat und nun erntet, was er einst gesät hat.
Wie mag sich ein Mensch wohl fühlen, der sich öffnet und über seine Probleme spricht, um dann ungebeten aufgezeigt zu bekommen, dass er selbst der Grund für sein Dilemma ist? Erregt ihr euch an dem Gedanken, dass jeder seines Glückes Schmied ist? Und was ist mit dem Unglück? Hat der Mensch das auch geschmiedet? Ja? Alle oder immer nur die anderen Menschen? Was, wenn ihr selbst betroffen seid?
Das, was sich hier offenbart, ist keine spirituelle Entwicklung, sondern eine Verwicklung in spirituelle Konzepte, die mantraartig wiederholt werden. Von Tugend-Inszenierern mit antisozialem Kern bis hin zu Lichtträgersimulanten ohne Wärme ist alles vertreten. Sie appellieren an das Gewissen derjenigen, die mitten im Leben stehen und ihren Scharfsinn bewahrt haben, um ihnen vorzuwerfen, sie seinen unbewusst und auf einer "niedrigeren Ebene" beheimatet. Das ist ihr Totschlagargument und gleichzeitig ihr einziges Argument. Sie operieren über den Glauben der Menschen. Wer die Mechanismen durchschaut, entzieht sich ihrer Wirkung.