Die Häuser im Nazi-Kiez Dorstfeld wurden traditionell Schwarz-Weiß-Rot geflaggt, und auch das große Banner mit der Aufschrift „1. Mai – seit 1933 arbeitsfrei“ wurde wieder gezeigt. Kameraden aus nah und fern sammelten sich in Dorstfeld, um von dort die Weiterfahrt zur nationalen Erster-Mai-Demo nach Essen anzutreten. Noch vor dem eigentlichen Beginn der Sammlungsphase behaupteten Polizisten gegenüber den ortsansässigen Kameraden, die Fahnen und das Banner würden eine Ordnungswidrigkeit darstellen – natürlich vollkommener Unsinn, und selbst der um Rechtsbrüche gegen die nationale Opposition nie verlegene, ehemalige Polizeipräsident Gregor Lange (SPD) ist während seiner zwölfjährigen Amtszeit niemals auf diese Idee gekommen. Doch der temporäre Nachfolger Achim Stankowitz will seinen Vorgänger in punkto Rechtsbrüche gegen die politische Opposition wohl sogar noch übertreffen!
Also rückt am Maifeiertag ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr mit einem Kranwagen an, um die Fahnen von den Halterungen zu reißen und zu beschlagnahmen. Während der polizeilichen Inszenierung, bei der mehrere Fenster der von Nationalisten bewohnten Häuser offenstanden, fiel irgendwo ein Plastikbrettchen herunter, das allerdings niemanden traf und auch sonst keinen nennenswerten Sach- oder Personenschaden hätte anrichten können. Und was macht die Polizei daraufhin? – Kein Scherz, die Thusneldastraße 3 wird weiträumig abgesperrt, keiner der sich im Haus befindlichen Personen darf mehr heraus, und niemand mehr hinein; ein Brimborium, als ob gerade irgendwo ein Verbrechen begangen worden wäre!
Währenddessen wurden noch die letzten Fahnen abgehängt und eingesammelt, wobei einige Fahnen in klar provokativer Absicht auf den Boden geworfen wurden, und einige Fahnenstangen wurden mutwillig von uniformierten Straftätern zerbrochen, wofür es mehrere Beweisvideos gibt.
Der Bulli, der samt Lautsprecheranlage und Besatzung eigentlich gerade zur Demonstration ausrücken wollte, wurde festgehalten und durfte seinen Weg zur Versammlung nicht antreten. Auf das freiwillige Angebot der Aktivisten, dass die Polizei den Bulli durchsuchen dürfe, Hauptsache man verzögert den Beginn der Demo in Essen nicht, wurde nicht eingegangen. Also warteten die Aktivisten nun mehr als zwei Stunden lang auf ihre Weiterfahrt!
In diesen Stunden konnten die Aktivisten eine interessante Feldstudie durchführen: sie beobachteten das Verhalten der Dortmunder Polizei. Und was soll man sagen? Der Fachkräftemangel ist mit Händen zu greifen. Schon klar, wer wäre nicht mega genervt, wenn er am Maifeiertag arbeiten muss, nur um irgendwelche Rechten zu schikanieren, anstatt diesen Tag, wie seit 1933 Tradition, arbeitsfrei zu verbringen – doch seine Frustration nun an den Betroffenen solcher rechtswidrigen Einsätze auszulassen, zeugt bestenfalls von ungenügender Ausbildung, schlechtestenfalls von mangelnder Disziplin. Ganz besonders stach hierbei ein Polizist mit südländischem Erscheinungsbild heraus, der auf offener Straße und im Beisein mehrerer Nationalisten äußerte, man solle einfach zwei Hunde in das Haus jagen, die würden das schon erledigen. Auf die Nachfrage, ob es sich für einen Polizisten gehört, öffentlich die Begehung schwerer Straftaten zu fordern, antwortete dieser scheinheilig, er habe ja schließlich nicht gesagt, was für Hunde damit gemeint seien. – Wenn er jedoch dachte, mit solchen markigen Sprüchen den „harten Hund“ zu geben, so ging das gewaltig nach hinten los, da sich die anwesenden Nationalisten nur darüber lustig machten, was für eine alberne Figur er abgab.